Das Jahr 2016

Mein erstes Jahr in St. Corona

Das, was da jetzt folgt, ist kein geschäftlicher Jahresbericht und auch kein reiner Werklwochenbericht. Es ist ein Bericht, der Auskunft über meine Ideen und Pläne und ihr Vorankommen gibt. Da gehören die Werklwochen natürlich als wichtiger Baustein dazu, aber auch meine Hühner, meine anderen Projekte und mein Leben auf dem Land – alles, was das Leben halt so miteinschließt.

Nachdem der Dezember 2015 ja ein ganz ein milder war, startete der Winter dann im Jänner 2016 so richtig durch. Fast eine Woche lang hatte es in der Nacht –17° und untertags –10° – das war die Bewährungsprobe für mein Häuschen, für meine Heizung und für mich. Ich habe Strategien entwickelt und mit der Situation umgehen gelernt (und die Erfahrung gemacht, wie schnell sich Normalitäten, z.B. Temperaturen im Schlafzimmer, verschieben können). So ein Holzscheit bekommt da plötzlich eine ganz besondere Bedeutung und die so oft belächelte Hestia, die Göttin des Herdfeuers und des Heimes, ist noch ein Stückerl wichtiger für mich geworden.

Zu dieser Zeit habe ich den Computer am Küchentisch neben dem Herd platziert und habe mit meinen Werklwochenprojektplanungen begonnen. Fotos sichten, Texte für den Flyer und die Homepage verfassen, Aussendungen machen und überlegen, wie ich am besten die Idee meiner Werklwochen verbreite. An dieser Stelle einen großen Dank an meine lieben FreundInnen, die wiederum ihren lieben FreundInnen von mir und meinem Projekt erzählt haben. So kam es, dass heuer im Sommer schon eine beachtliche Anzahl an lieben Kindern bei mir war.

Heuer gab es zum ersten Mal Osterwerkltage – für Kinder und Jugendliche und erstmals auch ein Angebot für Eltern mit Kindern. Wie immer, wenn man etwas zum ersten Mal macht, gibt es da gewisse Unsicherheiten und man muss erst sehen, ob die Planungen sich auch so umsetzen lassen, wie man sich das vorstellt. Ich glaube, es ist ganz gut gegangen und ich habe mich sehr gefreut, dass sich im Sommer einige von den österlichen Besucherinnen wieder bei mir eingefunden haben.

Auch mein Hühnerprojekt begann Formen anzunehmen. Konkret in Form eines fahrbaren Hühnerstalls, den ich in meiner feinen Werkstatt gebaut habe. Amina, Marlene und Annika (sie waren bei den Osterwerktagen bei mir) halfen mir, das schwere Trumm in den Garten zu hieven. Und am Karfreitag war es dann so weit – meine Hühnerfamilie zog ein.

Der Frühling und der Frühsommer standen ganz im Zeichen der Werklwochenvorbereitungen. Viele Kinder und Eltern galt es kennen zu lernen – oft bekam ich Besuch in meinem Häuschen, oft bin ich nach Wien gefahren. Es erschien mir wichtig, dass alle Beteiligten wissen, auf was sie sich einlassen und dass alle Kinder wissen, wer diese Sissi ist, mit der sie immerhin eine ganze Woche verbringen. Und natürlich musste das Werkprogramm gut vorbereitet werden. Es gibt ja fast nichts Blöderes als Werkstücke, die nicht gelingen, oder wenn man mitten im Arbeiten drauf kommt, dass ein entscheidendes Teil fehlt. Immer neue Listen wurden geschrieben, Besorgungen getätigt, Materialien in Kisten gepackt, sodass alles griffbereit ist und dann konnte es am ersten Sonntag in den Ferien losgehen. Gleich in der ersten Woche kamen lauter „neue“ Kinder, also Kinder und Jugendliche, die zum ersten Mal bei mir waren. Im Vorfeld habe ich mich gefragt, ob es mir auch diesmal gelingt, den Werklwochengeist entstehen zu lassen. Als Julian dann einen ganzen Tag lang immer wieder an seinen Baum gemalt hat und sich mit mir intensiv über die Malweise der Wiese, der Äste, des Himmels und vieler anderer kleiner Details ausgetauscht hat, hockerlte er sich am Nachmittag vor sein fertiges Bild und meinte: „Ich hätte mir nie gedacht, dass ich so gut einen Baum malen kann.“ Da wusste ich: es ist mir gelungen.

Ich bin ja eine, die gerne plant und sich Dinge, die da kommen, immer wieder vorstellt. Aber manche Dinge muss man dann einfach machen, um beurteilen zu können, ob das geht oder nicht, bzw. um die Fragen, die sich im Vorfeld stellen, beantworten zu können. Es war für mich ein wirklich gelungener Sommer. Ich habe die Wochen mit den Kindern genossen und ich denke, viele von den Kindern auch. Natürlich gibt es auch Erfahrungen, auf Grund derer man die nächste Planung etwas anders anlegt. So z.B. die Wochen dazwischen fürs Schlaf aufholen zu nutzen.

Im September wollte ich dann rasch die Sache mit den Behörden erledigen, um diese Dinge dann bis Jahresende abgeschlossen zu haben. Weit gefehlt, aber mit dieser gar nicht schönen Geschichte will ich euch da jetzt nicht langweilen. Es haben mich ja viele vorgewarnt, aber ich wollte es nicht glauben. Eine Werklwochenmama hat es in einem Email sehr liebevoll formuliert: „Das was du machst, ist etwas Besonderes und schwer einzuordnen und passt in keine Schublade.“

Und wie das Leben dann so spielt, kommt ganz unverhofft ein Engerl daher und nimmt die Sache in die Hand. Es hat sich in der allerletzten Woche dieses Jahres abgezeichnet, dass es doch was werden könnte – aber ich will nix verschreien.

Neben einem „Mit-Behörden-Kommunikations-Engerl“ hatte der Herbst auch sonst noch viel Positives! Ich habe die Computerhürden überwunden und mein elektronisch geschickter Antrag auf Bildungskarenz ist nach vielen, vielen Telefonaten und ebenso vielen Emails dann doch bewilligt worden. Also habe ich jetzt noch ein Jahr, um an meinem Projekt zu bauen. Auch das mit dem Inskribieren auf der BOKU (geht ja auch alles über den Computer, der ja nicht wirklich mein Freund ist) habe ich geschafft und nachdem ich gecheckt habe, dass ich da doch ein bissi mehr tun muss als ich dachte, habe ich mich dann gut in das Vorlesungen Besuchen und das Lernen eingelebt. Ich habe auch schon meine erste Prüfung geschafft☺. Auch einige notwendige Renovierungsarbeiten sind sich in diesem Herbst noch ausgegangen. Und – und das ist vielleicht das Feinste – es hat auch schon einige Werklwochenenden gegeben, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Auch diese meine zweite Schiene nimmt also langsam Form an. Mein Atelier hat sich dabei nicht nur für mich selbst als guter und anregender Arbeitsort erwiesen, auch meine Freundinnen und Gästinnen haben die Atmosphäre genossen und konnten mit ihren Händen schöne Dinge schaffen.

Mit gemütlichem Kekse backen und Kerzen ziehen sind die Adventwochenenden in diesem Jahr dann zu Ende gegangen. Mit dem Bauen von Weihnachtsgeistern, Distelengerln und Bockernmanderl habe ich mir selbst einen Kinderwunsch erfüllt. Immer, wenn in dem Buch „Das Städtchen Drumherum“ von den Moosgärten, den Eichelmännchen und den Zapfentieren zu lesen war, wünschte ich mir, solche auch zu bauen. Mit 48 Jahren war es dann so weit!

Also noch ist nicht klar, ob mein Projekt gelingt, aber es ist schon ein gutes Stück vorangekommen. Es hat zwar immer wieder Hürden gegeben, aber sie waren zu überwinden – manche leicht, manche schwer, manche mit viel Anlauf und wenig elegantem Drüberwurschteln. Aber sie wurden genommen. Manche müssen noch geschafft werden. Und was bei allen Hindernissen gleich war: ich hätte es nicht ohne meine FreundInnen und meine vielen lieben Bekannten (neuerdings auch Engerl) geschafft, die mir geholfen haben und mein Projekt gut finden. Danke.