Die Werklwoche

Das Ankommen

Am Sonntagnachmittag kommen Kinder und Eltern und können noch gemeinsam ein bisserl Zeit in St. Corona verbringen und das Haus und die Umgebung kennen lernen.

Wenn wir vollzählig und alle Eltern abgefahren sind, gehen wir gemeinsam ins Waldzimmer und jede/r sucht sich ihren/ seinen Schlafplatz aus. Das geht manchmal recht schnell, manchmal dauert es länger, aber es hat sich immer noch so ergeben, dass jeder und jede für sich ein gut passendes Plätzchen gefunden hat – und das ist wichtig.

Das Werkln

Meistens gibt es zwei unterschiedliche Techniken pro Tag, für aufwendigere Arbeiten wird oft ein ganzer Tag eingeplant. Ein Fixpunkt im Programm ist das Malen eines Acrylbildes. Ansonsten sind Techniken aus den unterschiedlichsten Bereichen (textiles und technisches Werken, Graphik, Malerei…) vertreten. Es gibt sowohl Arbeiten, die eher schnell zum Erfolg führen und andere, bei denen man ein bisserl länger dran bleiben muss. Beim Einstieg in die Technik und bei den Erklärungen möchte ich, dass alle dabei sind, es muss aber anschließend niemand mitmachen.

Da die Kinder ganz unterschiedliche Herangehensweisen, Ausdauer und auch Alter (ungefähr zwischen 7 und 14 Jahren) haben, ist es für jede/n Einzelne/n möglich, sich so lange den Arbeiten zu widmen, wie es für ihn/ sie passt. Es ist genug Platz im Haus und im Garten, und wir können die Sachen auch einfach liegen lassen, wenn eine längere Unterbrechung angesagt ist. Der Rahmen lässt es zu, dass manche schon nach einer Stunde fertig sind und sich in den Garten, den Wald oder den Bach vertschüssen, andere wiederum sich mehrere Stunden mit einer Technik auseinandersetzen und sich so richtig darin vertiefen. Und dabei ist niemandem fad!

Oft sind es die Kinder selbst, die sich gegenseitig anspornen und neue Möglichkeiten aufzeigen. So lehnte es z.B. Flo ab, mit seinen Freunden, die mit ihren Bildern schon fertig waren, in den Wald zu gehen um weiter an ihren Hütten zu bauen, weil er noch weiter malen wollte. Als diese nach ungefähr einer Stunde wieder kamen um Flo endlich zu holen, waren sie von seinem Bild so beeindruckt, dass sie sich wieder zu ihren Bildern setzten und die Arbeit an ihren Bildern fortsetzten. So sind sie ganz ohne Worte und Aufforderungen von Flo zu den Bildern geholt worden.

In einer Atmosphäre, in der die Kinder und ihr Tun ernst genommen werden, nehmen sie sich auch selbst ernst und stellen sich gerne selbst gesteckten Herausforderungen. Meinen Part sehe ich darin zu beobachten und zu begleiten und wenn gewünscht Auseinandersetzung, Vorschläge oder Hilfe zu geben. Manche Kinder schätzen es, mit mir über ihre Arbeiten zu sprechen. Für mich ist es etwas Wesentliches über das eigene Schaffen sprechen zu können, vielleicht verwandt damit, Gefühle in Worte zu fassen.

Wenn sie am Ende stolz auf das sind, was sie geschaffen haben, ist es gelungen.

Das Essen

Pro Tag gibt es vier Mahlzeiten, Frühstück, Vormittagsjause, Mittagessen und Abendessen. Die Zeiten variieren und richten sich nach unseren Bedürfnissen, wobei z.B. in der Früh so gegen halb neun schon aufgeweckt wird, damit wir gemeinsam mit dem Werken beginnen können. Der Speiseplan für die Woche hängt am Küchenkasten und die Kinder können jederzeit schauen, was es denn heute so gibt – es sind fast alle Speisen selbst gekocht und reichen von Grießnockerlsuppe, über faschierten Braten mit Erdäpfelpüree bis zu Buchteln mit Vanillesauce – traditionelle Speisen, die Kindern schmecken. Selbstverständlich gibt es auch eine vegetarische Variante, wenn ich es vorher weiß.
Das Essen findet gemeinsam statt – je nach Wetter draußen oder drinnen, je nach Speise und Laune auf der Wiese oder an den Tischen und je nach Hunger und Werkprogramm früher oder später.

Da ja meist sehr unterschiedliche Altersgruppen zusammen in einer Woche sind, gibt es auch ein bisserl unterschiedliche Schlafenszeiten. Den Jüngeren lese ich sehr gerne noch etwas zum Einschlafen vor, in dieser Zeit sind die Älteren im Wohnzimmer, knüpfen oder weben an den Bändern, oder zeichnen in den Zeichenheften und hören dabei Musik oder Hör-CDs. Wichtig ist mir, dass alle genug Schlaf bekommen, um für den nächsten Tag wieder fit fürs Werken zu sein.

Der Abschied

So vergehen die Tage meist sehr schnell, bis dann am letzten Abend doch alle Werkstücke fertig sind und ich das Wohnzimmer für die Abschlussdisco herrichten kann. An diesem Abend darf lange aufgeblieben werden.

Am Samstag ist dann für die Kinder Packen angesagt und ich bereite im Wohnzimmer die kleine Ausstellung vor. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie am letzten Tag alle Socken, Badehosen, Jacken und Schuhe zu den jeweiligen BesitzerInnen zurückfinden und es nach einer kunterbunten Woche innerhalb von ein bis zwei Stunden total aufgeräumt wirkt.

Zu Mittag kommen dann die Eltern. Wir schauen uns gemeinsam die entstandenen Werke an und sitzen noch gemütlich zusammen. Und auch die Kinder und Jugendlichen brauchen jetzt noch ein bisserl Zeit, um voneinander Abschied zu nehmen, denn sie haben intensive sechs Tage miteinander verbracht.